Allgemeines

Die Eltern-Lehrer-Beziehung

Das Verhältnis von Eltern und Lehrern ist leider häufig distanziert. Es ist geprägt durch wechselseitige Vorurteile, unklare Erwartungen und unerfüllbare Wünsche. Die Eltern beschweren sich über die Lehrer und ihre zu hohen Leistungserwartungen, den Schulstress und dass sie sich zu wenig um den Lernerfolg ihrer Schüler kümmern. Es besteht bei den Eltern oft das Vorurteil, dass Lehrer nur an kognitiven Leistungen ihrer Schüler interessiert sind und die Persönlichkeitsentwicklung ausgeklammert wird.

Lehrer klagen darüber, dass Eltern ihre Kinder nicht richtig erziehen und motivieren und sich zu wenig um die Hausaufgaben kümmern: dass sie immer mehr die Erziehungsaufgabe übernehmen müssen.
Sicherlich sind solche Klagen nicht ungerechtfertigt, manchmal allerdings schon. Die Abwehrhaltung der beiden Parteien führt leider dazu, dass Probleme oft ungelöst bleiben.

Eine kooperative Beziehungen zwischen Lehrern und Eltern ist also wichtig um dem Kindeswohl gerecht zu werden.

 

Berührungspunkte von Lehrern und Eltern

Im Schulalltag gibt es viele Berührungspunkte von Eltern und Lehrern:

  • Elternsprechtag
  • Elternabend
  • Elterngespräch
  • Schulfeste

Erwartungen, Rechte und Pflichten

Mitarbeit der Eltern

Ohne die Kooperation der Eltern kann schulische Arbeit nicht zu optimalen Ergebnissen kommen. Mitarbeit ist in folgenden Bereichen erforderlich:

  • Information über die Kinder
    Verhaltensweisen und Befindlichkeiten von Kindern sind für Lehrer oft unverständlich wenn sie nichts Genaueres aus dem Umfeld dieser Kinder wissen. Klären die Eltern den Lehrer über die Situation des Kindes auf, so fällt es diesem leichter, angemessen auf das Verhalten einzugehen.

  • Akzeptanz der Professionalität des Lehrers
    Ein Lehrer denkt sich etwas bei dem was er tut, es ist sein Beruf.

  • Zurückstellen der eigenen Interessen zugunsten der Gruppe
    Ein Lehrer muss alle Kinder seiner Klasse im Blick behalten, Eltern hingegen "nur" ihr Kind. Daher ist es manchmal erforderlich, dass die Eltern ihre Interessen zugunsten der Klasse zurückstellen.

  • Privatleben
    Lehrer haben das Recht auf ein Privatleben und Feierabend. Deshalb ist es unangemessen den Lehrer z.B. am späten Abend, frühen Morgen oder am Wochenende zu kontaktieren.

 

Rechte der Lehrerinnen und Lehrer
  • Mitbestimmung
    Lehrer haben das Recht auf Mitbestimmung bei Konferenzen, Schul- und Klassenforen, Schulgemeinschaftsausschuss und Einführung von Schulversuchen. Sie können Schul- und Klassenkonferenzen einberufen und verlangen, dass bestimmte, von ihnen gewünschte Tagesordnungspunkte, bei Konferenzen behandelt werden.

  • Dienstliches
    Lehrer haben das Recht auf Beratung und Berücksichtung von Wünschen bei der Diensteinteilung und auf das Führen eines Amtstitels. Sie dürfen Erlaubnis zum Fernbleiben eines Schülers erteilen.

  • Schulleben
    Lehrer wirken bei der Gestaltung des Schullebens und bei der Erziehung sowie der Anwendung der Erziehungsmittel mit. Außerdem sind sie berechtigt ihren Unterricht eigenständig zu planen und teilweise eine Auswahl des Lernstoffes aus dem Lehrplan zu treffen. Unterrichtsmethodik und Didaktik liegen allein im Kompetenzbereich der Lehrer. Abschließend auch die Beurteilung und Notengebung.

  • Darüberhinaus haben Lehrer das Recht auf Pflegebefreiung, Kuraufenthalt und Schutz des Lebens, der Gesundheit und der Sittlichkeit.

 

Pflichten der Lehrerinnen und Lehrer
  • Organisatorisches
    Zu Beginn des Schuljahres wird die Anzahl der Klassenarbeiten die in diesem Schuljahr stattfinden festgelegt und der Schülern mitgeteilt. Darüberhinaus muss der Lehrer mitteilen, welche Schulbücher und Arbeitsmaterialien angeschafft werden müssen, sofern dies noch nicht durch eine Bücher- und Materialienliste vor Beginn der Ferien vor dem neuen Schuljahr geschehen ist. Schüler die Förderunterricht benötigen werden vom Lehrer entsprechend zugeteilt.

  • Unterricht
    Lehrer haben die Pflicht ihren Unterricht sorgfältig vorzubereiten. Diesen Unterricht müssen sie in der vorgeschriebenen Zeit erteilen. Er sollte auf dem Stand der Wissenschaft, anschaulich und gegenwartsbezogen sein. Der Lehrer sollte seine Schüler durch den Unterricht motivieren. Wichtig ist es, die Unterrichtsergebnisse festzuhalten und anschließend durch z.B. Tests zu sichern.

  • Notengebung und Beurteilung
    Notengebung ist allein die Aufgabe des Lehrers. Selbsteinschätzung und Gespräche mit den Eltern über die Leistung spielen natürlich auch eine Rolle, aber die endgültige Entscheidung fällt der Lehrer.

  • Pflicht zur Meldung
    Lehrer müssen der Schule melden, wenn sie ihrem Dienst nicht nachgehen können. Gehen sie einer erwerbsfähigen Nebentätigkeit nach, ändert sich die Erreichbarkeit in den Sommerferien oder ändert sich die Adresse muss die Schule dies ebenfalls wissen. Der Wohnort ist so zu wählen, dass er den Dienstbetrieb nicht beeinträchtigt.

  • Wahrung des Ansehens der Schule
    Ein Lehrer muss sich gegenüber Vorgesetzten, Kollegen Schülern und Eltern immer korrekt Verhalten, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule. Nicht zuletzt um das Ansehen der Schule zu wahren. Selbstverständlich ist er auch zu Amtsverschwiegenheit verpflichtet.

  • Fächerübergreifende Zusammenarbeit
    Der Lehrer ist für fächerübergreifende Zusammenarbeit und fachverbindende Maßnahmen zuständig, hierzu ist eine gute Zusammenarbeit mit dem Kollegium erforderlich.

 

Was Lehrerinnen und Lehrer berücksichtigen sollten
  • Eltern machen sich Sorgen

    Lehrer sollten berücksichtigen, dass Eltern sich in erster Linie Sorgen um ihr Kind machen. Da kann es schon einmal passieren dass sie überreagieren, vorschnell handeln und evtl. auch unsachlich werden. Dies ist meist nicht an die Lehrperson gerichtet sondern entsteht durch Emotionalität. Deshalb sollten Lehrer empathisch sein um den Eltern Verständnis für ihre Situation vermitteln zu können.

  • Eltern handeln im Wohle ihres Kindes
    Eltern liegt natürlich das Wohlergehen ihres Kindes am Herzen, allerdings brauchen sie manchmal die Unterstützung des Lehrers um das Wohl des Kindes zu erkennen. Denn es gibt Situationen in denen Eltern nicht alleine erkennen können was das wahre Wohl ihres Kindes ist.

  • Eltern haben Träume
    Eltern haben oft eine ganz bestimmte Vorstellung von der Zukunft ihrer Kinder. Gibt es schulische Probleme, sehen Eltern diese Vorstellung in Gefahr und haben Angst dass das Kind vielleicht die Erwartungen nicht erfüllen kann. Sie sorgen sich um die Zukunft ihrer Kinder, deshalb ist es manchmal schwierig sachlich zu bleiben. Eine schlechte Note ist natürlich kein Drama, aber für Eltern kann es auch einen kleinen Weltuntergang bedeuten, da sie in diesem Moment auf emotionaler und nicht auf sachlicher Ebene handeln.

  • Eltern haben auch andere Probleme
    Viele Familien sind durch Probleme wie z.B. Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennung... belastet oder sind sehr kinderreich. Es gibt auch zahlreiche alleinerziehende Elternteile die zusätzlich noch ganztags arbeiten gehen um für den Lebensunterhalt zu sorgen. Eine weitere Belastung durch schulische Probleme ihrer Kinder können zur Überforderung führen. Manche Eltern finden auch einfach nicht die Zeit das Gespräch mit dem Lehrer in der Schule zu suchen oder lassen Kinder mit ihren Problemen allein. Lehrer haben hier die Möglichkeit den Eltern einen Hausbesuch anzubieten um sich in gewohnter Atmosphäre der Familie ein Bild über die Situation zu machen.

  • Das ärgert Eltern oft im Umgang mit Lehrern:
    - Wenn sie sich nicht an Konferenzbeschlüsse, Absprachen oder Fachlehrerbeschlüsse halten
    - Wenn Probleme nicht offen und direkt angesprochen werden
    - Wenn Themen "totgeredet" werden
    - Wenn Lehrer nur "belehren"

 

Erwartungen von Eltern an die Lehrerinnen und Lehrer
  • Zeit und Empathie
    Lehrer sollten sich für die Belange, Sorgen und Probleme der Eltern Zeit nehmen und ein offenes Ohr haben. Hierzu sollten sie auch bereit sein, Gespräche zu vereinbaren. Sie sollten in der Lage sein sich in die Situation der Eltern hineinversetzen zu können damit diese sich verstanden fühlen.

  • Jedes Kind ist einzigartig
    Eltern wünschen sich für ihre Kinder eine optimale Förderung. Diese optimale Förderung setzt voraus, dass das Kind von seinem Lehrer als Individuum angesehen wird und nicht als Teil einer großen Schulklasse, in der jeder gleich ist. Trotz großer Klassen sollte der Lehrer versuchen auch auf jedes einzelne Kind zu achten um zu vermeiden, dass unauffällige und stille Kinder in der Masse "untergehen".

  • Guter Unterricht
    Guter Unterricht ist wichtig, um die Schüler zu motivieren und ihr Interesse zu wecken. Denn nur wer motiviert und interessiert ist kann erfolgreich lernen. Unterricht sollte auch fordernd sein, ist der Stoff zu leicht, führt dies schnell zu Langeweile, ist er zu schwer führt dies zu Frustration.

  • Informationen über den Schulalltag
    Eltern möchten gerne über das informiert sein, was in der Schule vorgeht. Das können sowohl positive als auch negative Vorkommnisse sein.

 

Rechte der Eltern
  • Allgemein
    Eltern haben das Recht jederzeit über alle wichtigen Angelegenheiten die ihr Kind/die Klasse/die Schule betreffen informiert zu sein und dürfen nachfragen was in der Klasse/Schule passiert. Sie dürfen hierbei ihre Meinung, Ängste und Nöte zum Ausdruck bringen und Anteil am Schulgeschehen zu nehmen!

  • Schulanmeldung und zugehöriges Psychologisches Gutachten
    Alle Eltern haben das Recht darauf, ihr schulpflichtiges Kind in der (Vor)schule anzumelden und von einem Schulpsychologen ein Gutachten über die Schulreife ihres Kindes zu erhalten.

  • Information über Leistungen und Schulabstinenz
    Eltern müssen über die Leistungen (Klassenarbeiten, Tests, Zeugnisse) und einen Leistungsabfall ihrer Kinder informiert werden um sich bei negativer Entwicklung um eine Besserung der Situation bemühen um ihr Kind unterstützen zu können (z.B. Nachhilfelehrer, spezielle Förderungsmöglichkeiten, Schulwechsel, Klassenwechsel, Schulstufenwechsel...). Sie sind über nicht erfolgreichen Abschluss der Schulstufe, Nichtberechtigung zum Aufstieg usw. in Kenntnis zu setzen. Außerdem sind sie auch bei besonderem Fernbleiben des Schülers von der Schule, einen Wechsel der Schulstufe und eine Ein- und Umstufung zu informieren.

  • Lehrergespräch
    Eltern steht jederzeit ein Lehrergespräch zu, falls dies erforderlich ist.


  • Eltern haben Anrecht auf weitere folgende Angebote:
    - 2 Elternsprechtage im Jahr
    - Informationen über den weiteren Bildungsweg
    - beratende Gespräche bei Leistungsabfall, insbesondere im 2. Halbjahr (da die Zeugnisse nahen)
    - Mitbestimmung bei Einführung von Schulversuchen

 

Pflichten der Eltern
  • Anmeldung und Ausstattung mit Materialien
    Eltern sind verpflichtet ihre schulpflichtigen Kinder in einer Schule anzumelden und mit Schulmaterial wie Bücher, Hefte, Stifte usw. auszustatten. Denn ohne diese Materialien kann ein Kind nicht anständig lernen und arbeiten. Ebenso ist es wichtig dem Kind ein Frühstück mit in die Schule zu geben, um die Leistungsfähigkeit sicher zu stellen.

  • Unterstützen der Lehrerarbeit
    Sie haben die Aufgabe die Unterrichtsarbeit der Lehrer zu unterstützen, indem sie Hausaufgaben kontrollieren und auf ihre Kinder einwirken, dass sie ihre Schulpflichten erfüllen. Empfehlenswert ist es, sein Kind nach der Schule zu fragen, welche Hausaufgaben es zu erledigen hat und ggf. einen Blick in das Hausaufgabenheft zu werfen. Das Kind bei den Hausaufgaben zu unterstützen ermöglicht, dem Kind Rückhalt zu geben und es erfahren zu lassen, dass man sich für das interessiert, was es in der Schule lernt und erlebt und dass es einen Ansprechpartner hat, wenn es mit Aufgaben mal nicht zurecht kommt.

  • Abmeldung im Krankheitsfall und Vorlage von Dokumenten
    Im Krankheitsfall muss das Kind von der Schule abgemeldet werden. Wichtige Dokumente die von der Schule benötigt werden sind ebenfalls vorzulegen.

  • Interesse zeigen
    Eltern sollten sich für das interessieren, was ihre Kinder in der Schule erleben. Sie sollten jeden Tag nachfragen was es heute gelernt hat und ob es etwas Besonderes erlebt hat, ob es Spaß hatte, ob es sich vielleicht geärgert oder gefreut hat. Das vermittelt dem Kind die nötige Sicherheit und Vertrauen.

  • Teilnahme am Schulalltag
    Schulbriefe müssen aufmerksam und gewissenhaft gelesen werden und die Eltern sollten zu Elternabenden erscheinen sowie sich an Aktionen und Aktivitäten (Schulfest, Wandertage, Basar...) beteiligen. Eine Teilnahme an Elternabenden und Elterngesprächen ist ebenso wünschenswert.

  • Verständnis aufbringen dafür, dass ihr Kind nicht das einzige Kind in der Klasse ist. Es gibt auch zahlreiche andere Kinder um die sich ein Lehrer bemühen muss, Eltern sollten also nicht nur ihr Kind, sondern die Klasse als Gemeinschaft ansehen.

    Es wird in der heutigen Zeit immer wichtiger, den Eltern zu verdeutlichen, dass der Erziehungsauftrag bei Ihnen liegt und nicht auf die Schule übertragen werden kann. Die Schule trägt zwar auch einen Teil der Verantwortung da die Schüler viel Zeit in der Schule verbringen, allerdings tragen die Eltern die Hauptaufgabe der Erziehung ihrer Kinder.
    Wünschenswert ist ein enger und kooperativer Kontakt mit den Lehrern, da dieser für die Schullaufbahn und die Zukunft der Kinder wichtig ist und entscheidend sein kann.

 

Was Eltern berücksichtigen sollten
  • Lehrer/ -innen sind keine Galionsfiguren:
    Eltern sollten beim Umgang mit den Lehrern das Vorurteil ablegen, dass ein Lehrer sich für allwissend hält und der Überlegene ist. Auch Lehrer haben Fehler und sind unsicher im Umgang mit Eltern. Nur wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, kann man zu einem Ergebnis kommen. Hierbei ist es sinnvoll, sich das Ziel zu setzen, am Ende zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Denn schließlich liegt beiden Seiten das Wohl des Kindes am Herzen. Das Kind mit einzubeziehen kann auch zu einer Lösung beitragen.
    Lehrer denken sich etwas bei ihrem Vorhaben.
    Oft ziehen sich Eltern bei Schul-Konflikten mit der Ausrede zurück, dass der Lehrer ihr Kind dafür büßen lässt, wenn jemand sein Verhalten kritisiert. Dies ist in der Regel nicht so.

  • Das Kind nicht nur als Schüler betrachten:
    Lehrer-Eltern Gespräche sollten sich nicht nur auf Schulnoten und Benehmen beschränken, das Kind sollte als Ganzes angesehen werden. Hierzu gehören auch Hobbies und Angewohnheiten, Freundschaften und Feindschaften, Freuden und Sorgen. Es ist also wichtig, dass man als Eltern offen gegenüber dem Lehrer ist, damit er sich ein Gesamtbild der Situation schaffen kann.
    Steht z.B. die Trennung der Eltern bevor, gibt es einen Trauerfall oder Krankheit in der Fälle, hilft dies dem Lehrer das Verhalten des Kindes besser zu verstehen und er kann besser darauf reagieren

  • Lehrer/-innen sind auch unsicher im Umgang mit Eltern:
    Lehrer sind nicht immer, wie vielleicht von den meisten Eltern erwartet, sicher im Umgang mit Eltern. Es ist immer wieder aufs Neue eine besondere Situation für sie, jeder Schüler und jede Schwierigkeit ist zu unterschiedlich als dass man routiniert werden könnte. Außerdem liegt auch dem Lehrer das Wohl des Kindes am Herzen.
    Auch Lehrer freuen sich über Anerkennung von Eltern, brauchen diese sogar. Kommen Eltern nur in die Schule wenn etwas im Argen liegt, fördert dies ein eher negatives Verhältnis.

  • Direkt an den/ die Lehrer/-in wenden:
    Bei Unsicherheiten sollte man sich direkt an den Lehrer wenden und nicht über das Kind Kommunizieren.
    Kinder benötigen Zuwendung und Unterstützung, Druck bewirkt das Gegenteil. Je früher man den Lehrer kontaktiert, desto eher kann eine Lösung gefunden werden und man vermeidet die Gefahr, dass sich das Problem oder die Unstimmigkeit hochschaukelt.

  • Das ärgert Lehrer/-innen im Umgang mit Eltern:
    - Wenn Eltern ohne Grund nicht zu Elternabenden oder zu Klassen- und Schulfesten kommen
    - Wenn Eltern sich nicht an Vorbereitungen für diese Feste beteiligen
    - Wenn Eltern nicht dafür sorgen, dass ihr Kind die notwendigen Schulmaterialien oder ein Frühstück mit in die Schule bringen
    - Wenn Eltern nicht auf Elternbriefe reagieren
    - Wenn Eltern nicht zu vereinbarten Terminen erscheinen und dann nichts mehr von sich hören lassen
    - Unehrlichkeit und Nichtkümmern um materielle und psychische Bedürfnisse ihrer Kinder
    - Wenn Eltern nur in die Schule kommen um sich zu beschweren

Das Elterngespräch

 

Definition von Kommunikation im Hinblick auf ein Elterngespräch

Sobald Menschen aufeinander treffen kommunizieren sie miteinander. Da Kommunikation nicht nur die verbale Ebene beinhaltet, ist es nicht möglich nicht zu kommunizieren. Sobald sich Menschen begegnen werden unterschiedliche Signale ausgesandt und wahrgenommen. Sobald das geschehen ist, hat Kommunikation stattgefunden.
Im Bezug auf das Elterngespräch jedoch steht die verbale Kommunikation und das Miteinander-Sprechen im Vordergrund. Aus eigener Erfahrung kann sicher jeder davon berichten wie störungsanfällig dieses Miteinander-Reden ist. Oft gibt es Verständnisprobleme und unter Anderem dadurch entstehen dann Missverständnisse oder Missinterpretationen. Bei Kommunikation geht es nicht nur um eine adäquate Aussprache und ein genaues zuhören. Unterschiedliche Aspekte können dazu führen, dass ein und dieselbe Aussage anders verstanden wird. Man hört nur das (heraus), was man hören möchte. Das bedeutet unterschiedliche Aspekte können dazu beitragen, dass ein Inhalt unterschiedlich verstanden wird. Nach dem „Vier-Ohren-Modell“ von Friedmann Schulz von Thun (1981) wandert das Gesagte vom Sprecher zum Hörer. Die Aussage beinhaltet dabei vier Dimensionen auf beiden Seiten. Es gibt den „vier-mündigen Sender“ und den „vier-ohrigen Empfänger“. Dieses Modell macht deutlich, dass sowohl das Senden von eindeutigen Aussagen als auch das offene Zuhören sehr wichtig ist.

Als Sprecher („Sender“) sollte ich mir die Frage stellen:

  • Wie eindeutig und klar ist meine Botschaft?
  • Wie übereinstimmend ist das, was ich sage, mit dem, was ich denke und fühle? (Frage der Kongruenz)
  • Steht für mich eine Sachinformation, eine Beziehungsaussage, eine Gefühlsmitteilung oder ein Wunsch an den Gesprächspartner im Vordergrund und habe ich dies auch deutlich zum Ausdruck gebracht? (z.B. „ Ich sage dir…“, „Ich denke über dich …“,“ „Ich fühle mich…“ bzw. „Ich will von dir…“)

 

Als Angesprochener („Empfänger“) kann ich mich fragen:

  • Welche Dimension(en) der an mich gerichteten Aussage meines Gesprächspartners nehme ich besonders stark wahr?
  • Welche Gedanken, Gefühle, Handlungsimpulse lösen die wahrgenommenen Dimensionen bei mir aus
  • Welche Dimensionen werde ich wohl am ehesten ansprechen?
  • Durch welche Frage erfahre ich, ob das, was ich heraushöre, auch so gemeint war?
  • Durch welche Nachfrage kann ich meinen Gesprächspartner dazu bringen, eine klare Aussage zu machen?

 

Unter Berücksichtigung dieser Punkte kann man viele kommunikative Missverständnisse vermeiden. Zusätzlich sollte man in der pädagogischen Arbeit sein kommunikatives Handeln regelmäßig reflektieren. Dabei sind die folgenden Kommunikationsformen/Kommunikationstypen eine große Hilfe zur eigenen Identifikation.
Die Vier Kommunikationsformen:

A .v. Schlippe fasst insgesamt 4 Kommunikationsformen zusammen. Die versöhnliche und besänftigende Kommunikationsform, die anklagende und fordernde Kommunikationsform, die intellektualisierende und rationalisierende Kommunikationsform, die ablenkende und ausweichende Kommunikationsform.

Versöhnliche und besänftigende Kommunikationsform
Menschen die Vordergründig in der ersten Kommunikationsform agieren, empfinden ihre eigenen Gefühle und Gedanken als unwichtig. Sie versuchen sich dadurch nützlich zu fühlen, dass sie etwas tun was von anderen anerkannt wird.
Umgangsmöglichkeiten mit dieser Kommunikationsform:

  • Eltern von der Kind-Ich Ebene auf die Erwachsenenebene zurückholen
  • Loben, ermutigen und stärken der Eltern
  • Elternkompetenz deutlich betonen
  • Erleichterung von Kritikäußerung



Anklagende und fordernde Kommunikationsform
Im Kontrast zu der vorherigen Kommunikationsform steht die zweite Form der Kommunikation, die anklagende und fordernde Kommunikationsform. Dieser Typ ist ständig bemüht seine Gewichtigkeit herauszustellen und sucht bei seinen Mitmenschen/Kommunikationspartnern dauernd nach Fehlern. In seiner Sprachen gebraucht er oft Verallgemeinerungen wie „jeder“, „alle“, „nie“, „keiner“ und „jedesmal“.
Umgangsmöglichkeiten mit dieser Kommunikationsform:

  • Ängste und Befürchtungen der Eltern offen und freundlich ansprechen
  • Eltern für die offene Rückmeldung loben
  • Eltern die Möglichkeit geben alle Probleme zu benennen damit das Erregungsniveau sinken kann

 

 

Intellektualisierende und rationalisierende Kommunikationsform
Der Intellektualisierende und rationalisierende Kommunikationstyp hat angst davor die Kontrolle über sein Handeln zu verlieren und emotional zu werden. Er verwendet in seiner Sprache Verallgemeinerungen was Menschen betrifft oder Tilgung der Darstellung von Erlebnissen. Er rationalisiert Emotionen.
Umgangsmöglichkeiten mit dieser Kommunikationsform:

  • Den Eltern zunächst auf der rationalen Ebene begegnen
  • Durch Fragen auf die Gefühlsebene verhelfen


Die Ablenkende und ausweichende Kommunikationsform
Der ablenkende und ausweichende Kommunikationstyp fühlt sich nirgendwo zugehörig oder verantwortlich. Alles was er äußert und wie er handelt hat keinen wirklichen Bezug auf das was zuvor geschehen ist.
Umgangsmöglichkeiten mit dieser Kommunikationsform:

  • Den roten Faden in Gesprächen nicht verlieren
  • Ungeordnetes explizit ordnen
  • Lehrer muss die Ziele genau vor Augen haben

 

Vorbereitung auf ein Elterngespräch

Eine gute Vorbereitung ist für ein wichtiges Gespräch von hoher Bedeutung, denn so erlangt die Lehrperson mehr Sicherheit und weiterhin kann die Effektivität eines Gesprächs durch eine klare Gesprächsstruktur deutlich erhöht werden. Das „Ziel der Vorbereitung ist es, sich innerlich mit Ruhe, Abstand und Übersicht auf das Gespräch einzustimmen“ (Karl Benien; Schwierige Gespräche führen; S.49).

Durch eine Checkliste zur Gesprächsvorbereitung, kann man als Lehrperson bereits einen Überblick gewinnen:

1. Gesprächsanlass:
- Wer hat Gesprächsbedarf- die Lehrperson, die Eltern oder sowohl die Eltern als auch die Lehrperson?
- Wer hat welches Anliegen und auf wessen Anregung kam der Termin zu Stande?
- Welches Problem besteht?
- Ist es wirklich notwendig, dieses Elterngespräch zu führen? Was ist, wenn es nicht zu einem Gespräch kommen würde?
- Sind alle Beteiligten bei einem Zusammenkommen bereit, gemeinsam mögliche Lösungen zu entwickeln?
- Sollte man vorher die Meinung und Sichtweisen Anderer einholen, um passend auf das Gespräch vorbereitet zu sein?

2. Ideen zur Entstehung der Schwierigkeiten
Es ist wichtig, sich als Lehrperson bereits im Vorhinein Gedanken über die verschiedenen möglichen Einflussfaktoren zu machen, die bei der Entstehung oder Aufrechterhaltung der bestehenden Schwierigkeiten beteiligt sind.

Zum Einen besteht das Feld „Schule“. Hierbei kann man sich die Fragen stellen:
- Welche Position nimmt der Schüler in der Klasse ein?
- Welche Beziehung hat er zu anderen Mitschülern? In welcher Beziehung stehen diese zu ihm?
- Was hat die Lehrperson für ein Verhältnis zu dem Schüler?

Zum Anderen gibt es natürlich das Feld mit dem „Schüler“ selbst. Es geht um seine Persönlichkeit und verschiedene Eigenschaften, die er besitzt oder die nicht genügend ausgeprägt sind. So kann man als LuL bereits „Vermutungen über seine Begabungshöhe und –struktur, seine Konzentrationsfähigkeit, seine Kontaktfähgkeit, sein Temperament usw. anstellen“ (Claudius Henning/Wolfgang Ehinger; Das Elterngespräch in der Schule- Von der Konfrontaion zur Kooperation; S.87) .

Auch die Felder „Familie“ und „Umwelt“ können bei der Entstehung des Problems eine wesentliche Rolle spielen, sodass man sich jederzeit auch fragen sollte, wie der Kontakt und die Beziehung des Schülers zu der Familie ist und, ob derjenige gut Freundschaften knüpfen kann bzw. seinen festen Freundeskreis besitzt.

Die Entstehung eines Problems kann also aufgrund von einzelnen oder auch multiplen zusammenwirkenden Faktoren erfolgen. Wenn man sich im Vorfeld jedoch schon darüber Gedanken macht, ist es einfacher, sich auf bereits vorüberlegte Lösungen festzlegen.

3. Gesprächsthemen
Es kann hilfreich sein, sich schon bei den Vorbereitungen zu überlegen, was für Themen man als Lehrperson ansprechen möchte und welche vermutlich von den Eltern zu Wort gebracht werden. Außerdem ist es sinnvoll, sich bereits im Vorfeld die Art der Probleme zu veranschaulichen- geht es um Leistungs- oder Verhaltensprobleme oder eine Kombination aus Beidem? Auch hierbei kann man sich gut die Stärken der Schüler vor Augen führen, auf die man während des Gesprächs dann eingehen kann. Es kann von Vorteil sein, sich bereits zu überlegen, welche Informationen man mit ins Gespräch einbringen möchte und wleche man von den Eltern noch erfahren möchte.

4. Ziele für das Elterngespräch
Natürlich steht das Ziel, die Eltern zur Kooperationsbereitschaft zu bewegen an erster Stelle. Allerdings geht es hier darum, sich zu überlegen, was für ein Ergebnis konkret am Ende eines Elterngespräches stehen könnte, um die Zufriedenheit beider erreichen zu können.

5. Vermutete Ziele und Erwartungen der Eltern
Bereits vor dem Gespräch, kann man darüber nachdenken, mit was für Erwartungen und Zielen die Eltern in das Gespräch kommen werden, welche diese bereits schon einmal geäußert haben und inwiefern sie mit denen der Lehrperson übereinstimmen. Außerdem liegt es im Ermessen des Lehrer zu überlegen, was für versteckte Ziele hinter den offen geäußerten Erwartungen stecken könnten.

6. Befindlichkeit der Lehrperson
Der Verlauf eines Elterngseprächs kann bereits durch die Art und Weise, in welchem Gefühlszustand man das Gespräch beginnt, gelenkt werden. Es kann von Bedeutsamkeit sein, wenn man sich bereits vorher über die eigenen Reaktionen bestimmter Fragen bewusst ist:
- Was kann ich tun, um evtl. bestehende negative Gefühlszustände in mir zu verringern- welche Stützfaktoren benötige ich dafür?
- Zu welchen negativen Gefühlslagen könnten mich die Mutter bzw. der Vater im Gespärch veranlassen? Kann ich angemessen darauf reagieren?
Um es sich einfacher zu gestalten, kann man schon im Vorfeld mit Kollegen die bevorstehende Situation durchsprechen.

7. Auswahl der Gesprächsteilnehmer
Alle Personen, die zur Problemlösung während des Gesprächs beitragen können, sollten am Gespräch teilnehmen, dazu können dann u.a. beide Elternteile ohne oder mit Kind gehören.

8. Äußere Rahmenbedingungen
Die Grundvoraussetzung eines guten Gesprächs ist ein klarer äußerer Rahmen, deshalb sollten einige Punkte beachtet werden:
- Finden eines geeigneten Zeitpunktes für das Gespräch
- Planung der Zeit und der Dauer des Gesprächs, damit kein Zeitdruck entstehen kann
- Finden eines angemessenen Raumes, in dem das Gespräch stattfinden soll
- Bereitstellung von Medien im Falle einer Visualisierung eines Punktes
- Ausschalten absehbarer Störquellen (Telefon, Lärmbelästigungen, Hunger etc.)

 

Es ist sich immer vor Augen zu führen, dass das Elterngespräch nicht erst mit dem Eintreten der Eltern beginnt, sondern bereits mit den Vorerfahrungen und Vorkontakten zwischen den Eltern und der Lehrperson.
Grundsätzlich gilt:
„Je konflikthafter und spannungsgeladener die Eltern – Lehrer - Beziehung aufgrund der Vorkontakte ist, desto gründlicher sollte man sich als Lehrerin auf das Elterngespräch vorbereiten“ (Claudius Henning/ Wolfgang Ehinger; Das Elterngespräch in der Schule- Von der Konfrontation zur Kooperation; S. 82).

 

Grundlagen und Strategien eines Elterngesprächs

Zielsetzung in einem Elterngespräch

Das wichtigste Ziel in Hinblick auf ein Elterngespräch ist immer, die Eltern zur Kooperation zu bewegen. Es muss also versucht werden, durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gemeinsam Schritte zu unternehmen, die zu einer Lösung oder zumindest zu einer Verminderung der Schulprobleme des Kindes führen.

Es gibt verschiedene Bereiche, in denen man durch kooperierende Arbeit Lösungserfolge erzielen kann, unter anderem
- bei der Veränderung der Eltern-Kind-Interaktion bei den Hausaufgaben
- beim Aufsuchen einer Beratungsstelle
- bei der Organisation einer Nachhilfe
- bei der Einstellungsänderung der Schule gegenüber
- beim Aufbau vermehrten Kontaktes zwischen Elternhaus und LehrerIn

Außerdem ist es wichtig als Lehrperson immer daran zu denken, dass die Gesprächspartner nur zur Kooperation bereit sind, wenn ihr Selbstwert geschützt oder gestärkt wird, denn andernfalls könnte eine Konfrontation oder ein Gesprächsabbruch die Folge der Verletzungen sein.

Bei jedem Gespräch muss die Lehrperson darauf achten, dass viele Eltern in die Kindrolle rutschen, wobei alte Erlebnisse und Muster wieder aufgedeckt werden, sodass die Eltern häufig blockieren und somit die Interaktion im Gespräch beeinflusst wird.

 

Grundeinstellung und Haltung des Lehrers in einem Gespräch

Das Fundament einer erfolgreichen Gesprächsführung liegt in der Grundeinstellung gegenüber dem Gesprächspartner. Diese Grundhaltungen sind von höherer Bedeutung als die Gesprächstechniken und führen stärker zum Erfolg oder Misserfolg eines Gesprächs.

 

Die 5 wichtigsten Grundhaltungen, um die elterliche Kooperationsbereitschaft zu erhöhen:

  • Empathie
    Das Einfühlungsvermögen von der Lehrperson in die subjektive Weltansicht der Eltern wird durch Empathie beschrieben. Durch das sensible Wahrnehmen der Gefühle und der Befindlichkeit sowie das Akzeptieren des Gegenübers, ist es leichter, die innere Wirklichkeitskonstruktion nachzuvollziehen.

    Erleichtert wird die empathische Grundhaltung durch:
  • Berücksichtigung des Kontextes, in dem der Schüler und seine Familie leben:
    Die Lehrperson kann in jeder Phase des Gesprächs dem Gesprächspartner Fragen stellen, um eine bessere Einsicht in den Kontext zu erlangen. Auch die Aus- und Rückwirkungen von Problemlösungen bezogen auf die Umwelt der Eltern und der Kinder können für das fortlaufende Gespräch wichtig sein, so kann man z.B. fragen
    - Wie sieht die Wohn- und Lebenssituation der Eltern?
    - Wie gestaltet sich ihre materielle Situation?
    - Wie ist das Verhältnis innerhalb der Familie?

  • Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Eltern
    Jederzeit sollte man versuchen, die Eigenverantwortung zu fördern und zu betonen, indem man den Ort der Kontrolle nach innen verlagert. Die externe Kontrolle mit der Einstellung „Andere sind schuld“ wird hierbei zur internalen Kontrolle, wobei die Eltern bemerken, dass sie selbst Einfluss auf Veränderungen der eigenen Situation haben. Dadurch wächst auch die Bereitschaft zur Kooperation und Veränderung.

  • Ressourcentraining
    Es ist die Aufgabe der Lehrperson die Gesprächspartner zu überzeugen, dass jeder Problemschüler und dessen Eltern neben den Defiziten und Problemen auch Stärken und Ressourcen besitzt. Durch die Mobilisierung von Ressourcen und der Aufbau auf die Stärken können womöglich Hinweise auf Lösungen aufgedeckt werden.

  • Lösungsfokussierung
    Problemen sollte im Gesprächsprozess nur soviel Aufmerksamkeit und Zeit geschenkt werden, wie es unbedingt notwendig ist zur Konstruktion von Lösungsschritten. Denn schließlich ist eine Problembetrachtung lediglich dann von großer Bedeutung, wenn es Hinweise zur Problemlösung gibt. Eine Lösung kann hierbei bereits eine Beschreibung eines nächsten Schrittes sein und somit den Weg zum Ziel öffnen.

 


Gesprächsverhalten der Lehrperson – Aktivität und Lenkung im Elterngespräch

Die Strategie des „Peacing and leading“ (Angleichen & Lenken bzw. Mitschwingen & Führen) ist während eines Gespräches immer von großer Bedeutung. Durch das Mitschwingen kann die Lehrperson empathisches Mitfühlen zum Ausdruck bringen und so ein besseres Verständnis von dem Ratsuchenden erlangen. Lenkung dagegen ist gut, um ein bestimmtes Ziel oder eine Lösung im Auge zu behalten und anzusteuern. Für ein gutes Gespräch wird die Balance von Angleichen und Lenken verlangt:

Zum Einen ist nonverbales Zuhören wichtig, darunter versteht man eine zugewandte Körperhaltung sowie den Blickkontakt zum Gesprächspartner als auch ein zwischenzeitliches Kopfnicken und Lächeln. Hierbei zeigt man die Bereitschaft zuzuhören und von dem Gegenüber geschilderte Sachverhalte und Probleme zu verstehen.

Zum Anderen ist es sinnvoll, das Gesagte des Gesprächspartners mit eigenen Worten zu umschreiben. Denn das paraphrasierende Zuhören zeigt, ob alles richtig verstanden wurde.

Das aktive Zuhören spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle. Durch das Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte kann man dem Gegenüber Hilfestellung geben. Es fällt vielen Eltern häufig schwer Gefühle, Wünsche und Befürchtungen zu äußern und klar zum Ausdruck zu bringen, dies kann die Lehrperson durch aktives Zuhören jedoch auffangen. Es dient der Klärung der Bedeutung einer Aussage.

Das Stellen so genannter offenen W-Fragen (Wo, Wer, Wie, Was, Woran, Welche, etc.) ist auch sehr hilfreich, um ein Elterngespräch zu lenken. Die Eltern bekommen die Möglichkeit, sich dadurch zu reflektieren und neue Perspektiven kennen zu lernen. Die Beteiligung an der Lösungssuche kann dadurch verstärkt werden.
Mögliche W-Fragen an die Eltern: Welche Ideen haben Sie, um der Lösung näher zu kommen?
Was hat sich zu Hause seit dem letzten Gespräch verändert?
Was wäre ein weiterer sinnvoller Schritt in die richtige Richtung?
Woran erkennen Sie, dass sich bei Ihrer Tochter etwas verändert hat?
Wer kann Sie bei diesen Unzulänglichkeiten unterstützen?
Wie möchten Sie reagieren, wenn es nochmals zu einem Vorfall zwischen Ihnen und
Ihrem Sohn kommen würde?

Um den Ratsuchenden „an die Hand zu nehmen“ und ihn zu führen im Falle eines Nichtvorankommens, kann der Lehrer eindeutig die Richtung und die Lösungen vorgeben. Dafür können Ratschläge, Vorschläge und Anweisungen seitens der LuL erteilt werden.

Dieses vorgestellte Spektrum zwischen Aktivität und Lenkung zeigt die verschiedenen Möglichkeiten des Gesprächsverhaltens eines Lehrers bzw. einer Lehrerin.

 

Es gibt 4 Ebenen möglicher Fragen oder Reaktionen auf eine Aussage oder Schilderung der Eltern, auf die während des Gespräches eingegangen werden kann:

  1. Inhaltsebene
    Die Situation genauer schildern lassen

  2. Beziehungs- /Bedeutungsebene
    DieEltern nach Erklärungen, Bedeutungen der Situation fragen in Bezug auf mich, auf sich selbst, auf andere

  3. Gefühlsebene
    Die Eltern nach ihren mit den Erklärungen verbundenen Gefühlen fragen

  4. a)Wünscheebene, und b)Reaktions-, Handlungsebene
    a) Die Eltern nach ihren durch ihre Gefühle ausgelösten Wünschen und Erwartungen an mich, an sich selbst, an andere fragen
    b) Die Eltern nach ihren durch die Gefühle ausgelösten Reaktionen, Handlungen fragen

 

Selbsteinschätzung und Gesprächsführungskompetenz von LehrerInnen

  • die Lehrperson sollte darauf achten, den Kontakt zu ganz unterschiedlichen Eltern herzustellen und das Vertrauen zu diesen zu gewinnen sowie den Eltern ihre Verantwortung zu überlassen oder zurückzugeben
  • während des Gespräches ist es von hoher Bedeutsamkeit, offene (W-) Fragen zu stellen und die nonverbalen Reaktionen (Mimik, Gestik, Tonfall, etc.) der Eltern genau zu beobachten
  • das Wahrnehmen der eigenen inneren Reaktionen (Gedanken, Gefühle, etc.) kann für das Gespräch sehr nutzbar sein
  • es ist wichtig beim Gespräch sich auf die Ressourcen der Eltern zu konzentrieren anstatt auf deren Defizite
  • der Fokus sollte auf die Lösungssuche gerichtet sein anstatt auf die Probleme
  • in dem Gespräch sollte man immer versuchen, sich auf derselben Ebene wie die Eltern zu befinden, um nicht eine über- noch eine unterlegene Position einzunehmen


Weiterhin gibt es hilfreiche bzw. fördernde Verhaltensweisen, die man sich als Lehrer immer wieder vor die Augen führen sollte während eines Elterngespräches:
Es ist wichtig auf das Gesprächsverhalten des Gesprächpartners einzugehen, indem man zunächst Interesse zeigt beim Zuhören und bei Unklarheiten nachfragt. Das Wiederholen, Zusammenfassen und Weiterführen dieser Gedanken und Formulierungen ist ein weiterer häufig nützlicher Schritt. Der Lehrperson ist es dabei ermöglicht, Denkanstöße zu geben und die erzählten Sachen miteinander in Beziehung zu setzen. Dabei können Kompetenzen, wie z.B. Offenheit, Gelassenheit, Einfühlungsvermögen, Humor, Lebendigkeit und Souveränität sowie die emotionale Beteiligung helfen, ein aufgelockertes, erfolgreiches und intensives Gespräch zu erzielen.

 

Mögliche Konflikte in Gesprächssituationen

Unter Konflikten versteht man Handlungen und Handlungstendenzen die inkompatibel und unvereinbar sind. Es wird differenziert zwischen intrapersonellen Konflikten und interpersonellen Konflikten. Spricht man also von einem Konflikt der nur eine Person betrifft so ist es ein intrapersoneller Konflikt. Sobald eine weitere Person betroffen ist, ist es ein interpersoneller Konflikt.

In der gemeinsamen Arbeit von Menschen und im Zusammenleben, entstehen oft soziale, interpersonelle Konflikte. Diese werden gerne als Ausnahmesituation betrachtet obwohl sie eigentlich typische Erscheinungen sind. Die negativen Aspekte eines Konflikts stehen primär im Vordergrund aber grade im pädagogischen Bereich ist es sehr wichtig das konstruktive Potential eines Konfliktes zu betrachten. Diese Möglichkeit besteht aber nur wenn die Gesprächspartner die Fähigkeit besitzen Konflikte adäquat zu bewältigen. Angemessene Lösungsansätze sind abhängig von den eigenen Zielen und den äußeren Konfliktsituationen. Aus diesem Grund sollten Pädagoginnen und Pädagogen ein breites Spektrum an Verhaltensmöglichkeiten kennen um in Konfliktsituationen angemessen zu agieren.
Grundsätzlich entstehen Konflikte in Gesprächssituationen wenn Ziele, Interessen Denk-und Verhaltensweisen von interagierenden Personen nicht übereinstimmen. Es gibt jedoch einige Aspekte die Gespräche grundsätzlich blockieren. Diese sollten vor allem von Pädagoginnen und Pädagogen beachtet werden.

  • Befehlen und kommandieren
    Befehle und Kommandos stehen einem effektiven Gespräch im Weg. Es ensteht automatisch eine Hierarchie. Denn Befehle sind Kennzeichen der Über- und Unterordnung. Der Gesprächspartner kommt sich sehr klein vor wenn er/sie Befehle erhält. Beispiele für Befehle:"Sie müssen Ihr Kind pünktlich abholen..."."Sie müssen die Hausaufgaben regelmäßig kontrollieren..."

  • Warnen und drohen
    Diese Strategie ist eine schlechte Basis für ein Gespräch. Es macht es fast unmöglich ein adäquates Gespräch zu führen und eine für beide Seiten geeignete Lösung zu finden. Praxisbeispiele für Warnen und Drohen: "Ich muss Sie warnen, wenn Ihr Kind noch einmal ohne Schwimmsachen zum Schwimmunterricht kommt, dann wird Ihr Kind..." "Wenn Sie wieder nicht zum Elternsprechtag kommen dann…" Die Gesprächspartner/innen wird für uneinsichtig und verantwortungslos gehalten.

  • Zureden und moralisieren
    Beim Moralisieren wird ebenfalls eine Hierarchie
    Genauso wie beim Drohen unterstellt auch Moralisieren Überlegenheit und größere Verantwortung bei der Gesprächsleiterin bzw. beim Gesprächleiter. Eltern wird unterstellt, dass sie die Situation nicht richtig einschätzen können oder dass sie nicht die nötige Reife zum verantwortungsvollen Handeln besitzen – eine grobe Missachtung der Gleichberechtigung der Gesprächspartner! Beispiele für Zureden und Moralisieren: "Sie sind als Eltern verpflichtet, Ihrer Verantwortung als Eltern nachzukommen."

  • Ratschläge erteilen
    Ratschläge von Pädagogen und Pädagoginnen sind in einem Elterngespärch sehr begrüßenswert. Eltern können von diesen Erfahrungen nur profitieren. Die Ratschläge sollten jedoch eine Auswahl an Möglichkeiten bieten. Also ist eine offene Formulierung sehr wichtig.Beispielsweise: "Ich habe es schonmal so versucht..." ""Ich erlebe das folgendermaßen..."
    Wenn dem Gesprächspartner deutlich wird, dass Erfahrungen und Meinungen geäußert werden, so besteht die Freiheit zur Annahme oder Ablehnung. Jedoch werden Ratschläge zu Gesprächshindernissen, wenn sie zur unausweichlichen Pflicht hochstilisiert werden. Verdächtige Sprachmuster sind: "Da muss man..." "Es ist das Beste für Sie..." "Sie müssen immer..." Oder aus Elterngesprächen: "Das Beste für Sie ist, sich an die Regeln des Kindergartens zu halten..." "Ich habe die Erfahrungen gemacht und kann es Ihnen nur wärmstens empfehlen: Immer und überall konsequent zu sein..." "Ich rate Ihnen, jeden Tag zur gleichen Zeit die Hausaufgaben zu prüfen..." "Nach meinen Erfahrungen muss man Kinder jeden Tag aufs Neue zur Ordnung anhalten. Hervorragend hat sich bewährt..."

  • Belehren und unterrichten
    Das Belehren von Eltern ist ebenfalls ein Aspekt der dem offenen und Zielorientiertem Gespräch im Weg steht. Dadurch fühlt sich der Gesprächspartner unterlegen und ist nicht offen für Anregungen. Beispiele für Belehrungen aus Elterngesprächen: "Aus wissenschaftlichen Untersuchungen weiß man, Kinder sollten schon vor dem Schuleintritt..." "Aber es sind nun mal unsere langjährigen Erfahrungen, dass sich da nichts machen lässt..."

  • Vorwürfe machen und beschuldigen
    Vorwürfe und Beschuldigungen in Elterngesprächen werden am folgenden Beispiel veranschaulicht: "Ich kann Ihnen den Vorwurf nicht ersparen: Sie sind viel zu spät den Aufforderungen nachgekommen, Ihr Kind zu einem Logopäden zu schicken..." "Sie verhalten sich in diesem Fall sehr verantwortungslos..." Eine solche Verhaltensweise macht den Gegenüber nicht nur klein, sie stellt ihn auch sehr schlecht dar.

  • Loben und schmeicheln
    Jeder Mensch hört gerne Lob. Gelobt werden darf wenn es ehrlich gemeint ist. Einschmeicheln dagegen ist nicht effektiv und vermittelt die unwahrheit. Das ist keine gute Voraussetzung für ein Elterngespräch.

  • Beschimpfen und lächerlich machen
    Dieses Gesprächsmuster wird eher selten von Lehrerinnen und Lehrern benutzt. Trotzdem ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass diese Muster ein Gespräch blockieren."Sind Sie von allen guten Geistern verlassen! Wie konnten Sie einen solchen Unsinn..." "Das ist doch das Allerletzte, was Sie uns da bieten..."
    Leichte Anklänge des Lächerlich-Machens findet sich hingegen in solcher Bemerkung: "Mit ein bisschen Phantasie müsste es Ihnen gelingen, das Kind zu beschäftigen..."

  • Interpretieren
    Interpretationen fassen oftmals Schwierigkeiten griffig zusammen; daher sind sie für Gesprächsleiter/innen verlockend. Zusätzlich geben sie dem Gespräch einen fachlichen Anstrich. Allzu schnell sollen daher in schwierigen Gesprächen Interpretationen Erklärungen und Lösungen liefern. Meist enthalten sie jedoch eine Menge Unterstellungen und verschleiern eher das Anliegen des Gespräches, denn Gespräche profitieren von möglichst genauen und konkreten Schilderungen. Interpretationen unterlaufen diesen Anspruch. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: "Vermutlich verwöhnen Sie Ihr Kind zu sehr, weil Sie Schuldgefühle wegen Ihrer Berufstätigkeit haben..."

  • Beruhigen und bemitleiden
    In einer schwierigen Gesprächssituation ist das Beruhigen als Zeichen des Verständnisses erlaubt. Das Bemittleiden jedoch hat keinen Sinn. Das macht deutlich dass der Gegenüber mit seinen Problemen nicht ernst genommen. Einige Gesprächsbeispiele: "Das ist doch kein Grund, sich aufzuregen..." "Wenn Sie eine Nacht darüber geschlafen haben, werden Sie darüber lachen!"

  • Fragen und verhören
    Einfühlsame und geschickte Fragen machen das ehrliche Interesse deutlich. Diese können und sollen auch zur Zielfindung führen. Penetrante und überzogene Fragen führen zum Gegenteil Die Eltern fühlen sich wie im Kreuzverhör und trauen sich nicht alles ehrlich zu berichten. Folgende Beispiele sind anzuführen:"Wie viel arbeiten Sie? Wie stark sind Sie dadurch beansprucht? Warum müssen Sie arbeiten? ..." "Welches Problem steht an? Wie lange sind Sie dadurch schon belastet? Was soll sich ändern? Wie wollen Sie etwas ändern? ..." Diese Fragen sind nicht effektiv und peinlich.

  • Ablenken und zerstreuen
    Ebenso wie Beruhigen und Bemitleiden sind Ablenken und Zerstreuen wenig geeignet, ein Gespräch partnerschaftlich und konstruktiv zu führen. Das Problem oder Anliegen der Gesprächspartner/innen wird zwar scheinbar gemildert oder beigelegt. Wenn jedoch ein Anliegen zur Seite geschoben wird, wird eine Veränderung oder eine Lösung verhindert oder ausgeschlossen. Gesprächmuster dazu: "Nach einigen Monaten hat sich die Angelegenheit bestimmt von selbst gelöst..." "Das ist ganz normal, da macht sich jede Mutter Sorgen..."

 

Lösungsstrategien im Umgang mit Konfliktsituationen

Folgende Punkte dienen zur kooperativen Konfliktlösung zwischen Elternhaus und Schule. Sie können von Pädagoginnen und Pädagogen zur Orientierung genutzt werden.

1. Wille und Bereitschaft zur Kooperation
Als Grundvoraussetzung muss der eigene Wille vorhanden sein. Die innere Bereitschaft, gemeinsam und kooperativ Ziele und Wege zu Zielen zu finden. Das heißt für die/den LehrerIn die eigene Lehrerrolle in Frage zu stellen und diese eventuell neu zu definieren. Ebenfalls heißt dass das der Konfliktpartner gleichberechtigt an der Problemlösung arbeiten darf.

2. Respekt vor dem Anderen und Achtung vor der Person
Auch bei verschiedenen Weltansichten und Meinungen muss der Gesprächspartner respektiert werden. Respekt bedeutet nicht dass man alles gutheißt. Das bedeutet vielmehr dass die Interessen, Meinungen und Gefühle des Gegenübers wahrgenommen werden und darauf eingegenagen wird.

 

3. Auseinandersetzung in der Sache
Dabei geht es darum dass die Inhaltsebene und die Beziehungsebene wahrgenommen und auseinander gehalten werden. Man darf unter Berücksichtigung dieser Aspekte diskutieren und sogar streiten.

 

4. Zuhören
Es ist sehr wichtig aktiv zu zuhören. Das heißt zuerst den anderen ausreden lassen und an den Beitrag des Gesprächpartners anzuknüpfen. Ebenfalls sind nonverbale Zeichen des zuhörens hilfreich. Beispiele dafür sind Kopfnicken oder Augenkontakt halten.

5. Zur Sprache bringen
Man muss den Mut haben Dinge, die Missfallen erregen, deutlich anzusprechen, wobei sich die geäußerte Kritik nicht auf die Person sondern auf das Verhalten oder die Sache beziehen muss. Auf Verletzungen, Schuldzuweisungen und Vorwürfe muss verzichtet werden, da diese in eine Sackgasse führen.

 

6. Nach der Echtheit streben
Das was man sprachlich mitteilt muss den inneren Gefühlen entsprechen. Das heißt nicht dass man alles unbedingt mitteilen muss was man denkt. Aber dass was mitgeteilt wird muss echt sein.

 

7. Klare Stellung beziehen
Man sollte klare Äußerungen tätigen und seinen Standpunkt ganz deutlich äußern. Dabei ist die klare Formulierung der Ziele und Anliegen sehr wichtig. Lieber knapp und deutlich als ausführlich und schwammig. Bei der formulierung sollten favorisiert Ich-Botschaften formuliert werden.

 

8. Kompromissbereitschaft zeigen
Kompromissbereitschaft zu sein bedeutet nicht dass man Schwäche zeigt. In einem Gespräch gibt es keine Niederlage und keine Sieg. Die Ziele anzupassen und zu verändern bedeutet lediglich dass man gemeinsam einen Weg gefunden hat.

 

9. Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit
Wenn man sich ungerecht behandelt fühlt darf man nicht mit einem Gegenangriff oder mit einer Rechtfertigung reagieren. Man sollte versuchen Distanz zu gewinnen und nocheinmal darüber nachdenken warum man sich verletzt gefühlt hat. Man darf seine Gefühle diesbezüglich ruhig dem Gesprächspartner mitteilen.

10. Klärung gegenseitiger Erwartungen
Nach einem Konfliktgespräch oder aber auch von Zeit zu Zeit sind Evaluationen über Erwartungen und gegenseitigem Umgang miteinander sehr wichtig. Dabei muss beachtet werden dass die Erwartungen nicht immer erfüllt werden.

 

Entwicklung eines erflogreichen Beschwerdemanagements

Durch die Entwicklung eines professionellen Beschwerdemanagements werden zwei Ziele erfasst:
• Zum Einen geht es darum, Eltern zufrieden zu stimmen und diese fachlich-pädagogisch gut zu beraten.
• Zum Anderen gilt es, Lehrer zufrieden zu stellen und ihnen eine Hilfeleistung zu geben, um auch in schwierigen Gesprächen souverän mit dem Ärger von Eltern umzugehen.

 

Elternzufriedenheit

Die Aufgabe der Lehrperson besteht darin, sich in die Rolle der Eltern zu versetzen und den für sie unsichtbaren Teil der Elternbeschwerden zu analysieren. Denn häufig liegen verschiedene Gründe für diese Beschwerden vor:

  • Durch Enttäuschung und Ärger, suchen Eltern vorschnell die Schuld bei der Lehrperson. Dieser Ärger kann z.B. durch schlechtere Zensuren des Kindes entstehen und zu einer emotionalen Gefühlslage seitens der Eltern führen, da diese das Beste für ihr Kind wollen.

  • Häufig ist dieses Verschlechtern auch ein Grund für die Sorge um den späteren beruflichen Erfolg des Kindes. Sie befürchten Nachteile, die sie selbst sogar schon zu spüren bekommen. Denn gerade in der heutigen Gesellschaft ist der Schulbesuch der Kinder ein Imagefaktor im Bekanntenkreis.

  • Aufgrund Verschlechterungen in der Schule überlegen Eltern oft, wie sie die erwünschten Resultate bei ihrem Kind doch noch erreichen könnten. Da Nachhilfe jedoch ein enormer Kostenfaktor sein kann und Hausaufgabebetreuung einen intensiven Kraft- und Zeitfaktor darstellt, verstärken diese Gedanken den Ärger über die Schule. Für Eltern steht die Schule schließlich in der Pflicht, das Kind optimal zu fördern.

  • Durch das Weitertragen des Leids an andere Eltern, wird der Beschluss zur Schule zu gehen und sich dort zu beschweren oft nur noch verstärkt. Denn anstatt die aufgewühlten Eltern zu beruhigen, verstärken diese unbeteiligten Dritten meist noch den Ärger.

  • Wenn Eltern dann beschlossen haben, den Weg zur Lehrperson auf sich zu nehmen, sind sie bereits höchst erregt und planen, wie sie dem Lehrer ihre Meinung sagen werden. Unter dieser Stresssituation erscheinen die Eltern zu dem überstürzten Gespräch. Es fällt ihnen dann häufig auch schwer, sich zusammenreißen und in einem normalen Dialog über die Probleme des Kindes zu sprechen. Stattdessen greifen sie die Lehrperson an und reagieren mit Verteidigung und Gegenangriff, sodass es zu eskalierten Streitsituationen kommen kann.

 

Lehrerzufriedenheit

Im Falle solcher Eskalationen ist es besonders wichtig, als Lehrperson die Situation zu entspannen und nicht die Streitereien fortlaufen zu lassen. Durch das Zeigen von Verständnis für die Eltern, nimmt die Lehrperson eine professionelle Distanz ein und kann dem verbalen Angriff standhalten.

Wenn man sich auf die Elternbeschwerden einlässt und es zulässt, dass sich die Eltern ihren Ärger von der Seele reden, kann man anschließend bei der Lösungssuche besser auf die Einstellung der Eltern eingehen und diese besser nachvollziehen. Durch das Auffangen von Gefühlen mit Redewendungen, verdeutlich man das Interesse, die vorliegenden Probleme zu klären und das Kind bestmöglich zu fördern. Den Eltern wird hierbei deutlich, dass man diesen in der Position als Lehrer bzw. Lehrerin nicht als „Gegner“ gegenübertreten will, sondern als Partner auf der Suche von Lösungen.
Es ist hilfreich durch Fragen zu der Situation, zur Klärung des Problems zu leiten. Das daraus resultierende dargelegte Interesse seitens der Lehrperson, kann die Eltern wieder auf die Sachebene zurücklenken. Das gesamte Leistungsverhalten des Kindes kann nun angesprochen werden und die gemeinsame Lösungssuche kann angestrebt werden.
Wenn die Klärung noch nicht möglich ist, besteht die Möglichkeit, einen festen Termin zu vereinbaren, bis wann die Besprechung möglich ist und bis wann die Lehrperson eine Lösung gefunden haben kann.
Das Ziel ist es zum Abschluss des Gesprächs, dieses positiv abzuschließen und das Vertrauen für die künftige Zusammenarbeit hergestellt zu haben.

Quellenangaben

Karl Benien
Schwierige Gespräche führen- Modelle für Beratungs-, Kritik- und Konfliktgespräche im Berufsalltag; 5. Auflage 2008

Claudius Henning/ Wolfgang Ehinger
Das Elterngespräch in der Schule- Von der Konfrontation zur Kooperation; Auer Verlag; 3.Auflage 2006

Dietlinde H. Heck Gabriele Krause Barbara Jürgens
Kommunizieren Kooperieren Konflikte lösen; Julius Klinkhardt Verlag 2006

Rückert, E./ Schnabel, M./ Minsel, B.: Kommunikationsfördernde Gesprächsführung mit Eltern in Kindertageseinrichtungen. Ergebnisse aus Analysen von Video-Elterngesprächen. München 2000

www.bildungsverlag1.de/bv1web/assets/Probeseiten/04862_2.pdf

www.familienhandbuch.de

www.ifp.bayern.de/veroeffentlichungen/infodienst/schnabel-blockaden.html

www.prof-kurt-singer.de/eltern6.htm

www.za-aps-ooe.at/referat/RechtuP

www.rsb-borken.de/fileadmin/Downloads/Lehrerseite/ElternLehrerBeziehung.pdf